In der de:bug schrieb neulich jemand, dass wir uns durch die Interfaces von Twitter und Facebook das Suchen abgewöhnen würde, weil die Timeline uns die Inhalte liefert. Ein winziger Nebeneffekt dürfte sein, dass die lineare Zeitwahrnehmung quasi von der Update- auf die Interface-Ebene wechselt, wenn ich das mal so salopp sagen darf.

Als Archiv ist das Netz allerdings weiterhin wundervoll. Diese Woche habe ich endlich mal Fassbinders <a href"www.deutsches-filmhaus.de">"Acht Stunden sind kein Tag" gesehen, schon alleine, weil die Serie ja in der direkten Nachbarschaft spielt (Die zweite Folge spielt direkt in Nippes, auch wenn in Kalk gedreht wurde).

Günter Wallraffs Kritik im Spiegel ist allerdings dann doch eher ein schönes Beispiel dafür, dass die Dokumentarzunft damals wohl tatsächlich geglaubt hat, dass ihre Art der Wirklichkeitsdarstellung 'objektiver' wäre.

Gelungen ist bei Fassbinder allerdings die Darstellung der Arbeitsplatzreform. Der italienische Arbeitsmigrant erzählt vom Streik in Italien und autonomer Produktion, die deutschen Angestellten sind angefixt und tragen dem Chef ihre Ideen zur Neustrukturierung der Arbeitsprozesse vor. Es funktioniert, letztendlich hat sich das System kein bißchen geändert. Die Arbeiter geben weiter vom Mehrwert ab und die Schygulla hat's erkannt. Nur die Darstellung des Vorarbeiters Volkmar Gross stößt mir richtig auf. In seiner Physiognomie mit großer Nase und Spitzbart erinnert er an die miesesten antisemitischen Karikaturen. Gleichzeitig ist er auch der einzige Charakter der Serie, dessen Motive permanent unklar bleiben. Vielleicht mag das ja mal jemand in den Analysen von Fassbinders Antisemitismus ergänzen.





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